Haiti - "Wir müssen stark bleiben!"



Am 12. Januar 2010 bebte die Erde in Haiti. Bilder und Nachrichten waren ein Schock für Roseléne Klockenthör. Sie wurde 1977 in Haiti geboren.1998 kam sie nach Deutschland. Mit ihrer Familie lebt sie in der Gemeinde Veltheim. 250.000 Menschen riss das Beben in den Tod, 300.000 wurden verletzt, 1,2 Millionen Menschen obdachlos.

Kurz nach der Katastrophe reiste Roseléne Klockenthör in ihre zerstörte Heimat. “Ich musste helfen und meine zwei Neffen suchen“, sagt sie. Was sie gesehen und erlebt hat, hielt sie fest. Daraus entstanden ist ein Buch. Es erzählt eine menschlich bewegende Geschichte, die zutiefst berührt. Zugleich ist es ein Zeugnis einer Katastrophe, die aus dem Focus der Weltöffentlichkeit gerückt ist. Die Zerstörung Haitis ist jedoch immer noch gegenwärtig. Die Menschen benötigen weiter Hilfe. Roseléne Klockenthör widmet ihr Buch den Menschen, denen sie auf ihrer Suche begegnet ist. Die Leser spüren, wie die Haitianer trotz ihrer verzweifelten Situation kämpfen. Sie suchen nach neuen Wegen, Scherzen und lachen, anstatt in Trauer und Apathie zu versinken. „Wir müssen stark bleiben, damit unser Land nicht vergessen wird“, ist der Satz, den sie auf ihrer Reise immer wieder hört.

Viele Zuhörer kamen im Februar 2011 zur Buchvorstellung ins Sickter Herrenhaus. Darunter ein großer Freundes- und Familienkreis, zahlreiche Helfer und Unterstützer aus der Gemeinde Veltheim. Sie alle hatten Geld gesammelt, mit auf die Reise gegeben. Schlimmste Not konnte bescheiden gelindert werden. Samtgemeindebürgermeister Dr. Arne Pautsch fand passende Worte: „Mit einem Mal ist das Weltgeschehen mitten unter uns. Ihre aufwühlende Geschichte zeigt in sehr persönlicher Weise, wie klein die Welt angesichts einer Erdbebenkatastrophe mitunter werden kann, und wie mit couragiertem Handeln Verantwortung gelebt werden kann.“

Mareile Seeber-Tegethoff, promovierte Ethnologin, moderierte die Lesung. Sie zeigte Fotos, aufgenommen von Henning Günzler. Der Braunschweiger Apotheker war für die humanitäre Organisation „Apotheker ohne Grenzen“ in Haiti tätig. Als Co-Autorin hat Mareile Seeber-Tegethoff das Buchprojekt realisiert. Mit ihrer Agentur „Worte & Leben“ unterstützt sie Menschen, die ihre Lebenserinnerungen festhalten wollen. Mit dem Verkauf dieses Buches wird der Bau einer Bäckerei in Mabriol unterstützt. Für jedes verkaufte Exemplar kommen zwei Euro diesem Projekt zugute. Mabriol ist das Dorf, in dem die Autorin ihre frühe Kindheit verbracht hat. Es liegt südlich von Port-au-Prince, ungefähr 35 km von Jacmel entfernt. Das Dorf hat ca. 1000 Einwohner. Sie sind Bauern und leben weit verstreut in einfachen Hütten an den Berghängen. Die Straßen, die Mabriol mit der Außenwelt verbinden, sind nur schwer befahrbar. Um mit dem Pickup nach Jacmel zu gelangen, brauchen die Dorfbewohner drei Stunden. In Mabriol selbst gibt es keine Bäckerei.

Die Geschichte von Roseléne Klockenthör endet zum Teil mit einem „Happy End“. Sie hat ihre Neffen sicher nach Braunschweig gebracht. Ihre Geschichte ist veröffentlicht. Die erste Lesung wurde trotz großer Aufregung mit Bravour gemeistert. Das Hilfsprojekt für Mabriol ist gestartet. Für Menschlichkeit, Mut und Engagement verdient Roseléne Klockenthör allergrößte Anerkennung und die weitere Unterstützung ihres Projektes. mr



Im Bild: Roseléne Klockenthör (links) und Mareile Seeber-Tegethoff.

Roseléne Klockenthör & Mareile Seeber-Tegethoff
HAITI - „Wir müssen stark bleiben!“
Bericht über eine Reise ins erdbebenzerstörte Haiti,
um zwei Kinder nach Deutschland zu holen
Hötzumer Bücherhof – 87 S. broschiert – Februar 2011 – 11,80 €
ISBN 978-3-942418-07-2
Verkauf: Hötzumer Bücherhof, Buchhandlung Graff, Braunschweig