
Um fantastische Welten ging es in der ersten Bilderausstellung d. J. Die Sickter Kulturinitiative präsentiert Bilder von Johanna Görlitz im Herrenhaus Sickte. Die Ausstellung wurde am Sonntag, dem 30. Januar 2011 um 15.00 Uhr im Rahmen einer Lesung von der Künstlerin eröffnet. Johanna Görlitz las einen Auszug aus „Das Silmarillion“ von J.R.R. Tolkien.

Johanna Görlitz: "Über mich"...
Seit dem Studium an der Bildkunst Akademie in Hamburg (Abschluss 2003 als Illustrationsdesignerin) arbeite ich vorwiegend mit Acryl auf Papier oder Leinwand. Dabei grundiere ich das Papier mit weiß, das ermöglicht es, die dünn aufgetragenen Farben später mit einem Borstenpinsel an bestimmten Stellen „herauszukratzen“ oder auch ganze Farbflächen mit Wasser anzulösen und bis auf einen zarten Schleier wieder abzutragen. So kann der helle Untergrund hindurchschimmern und die Farben zum leuchten bringen. Farbstifte setzen Akzente und fließen oft auch mit Wasser angelöst in die Farbflächen hinein. Mir ist es wichtig, dass die Farben miteinander harmonieren um ein angenehmes Gesamtbild zu schaffen – auch unabhängig vom dargestellten Motiv.
Obwohl ich das naturalistische Zeichnen / Malen sehr gut beherrsche, genügt es mir heute nicht mehr, mich auf diese Weise auszudrücken. Ich male zwar immer noch figürlich, doch abstrahiere ich z.B. gern den Hintergrund, indem ich mit unterschiedlichen Horizontlinien spiele. Die Perspektive ändert sich in der Natur für den Betrachter, sobald sich dieser auch nur um eine Kleinigkeit bewegt. Darum, habe ich mal jemanden sagen hören, existiert Perspektive eigentlich nicht. Mir macht es Spaß, die perspektivischen Regeln zu umgehen und verschiedene Ansichten darzustellen. Jedes Bild kann also Blickwinkel aus unterschiedlichen Perspektiven vereinen.
Meine Lieblingsmotive sind menschliche Figuren, und die Anregungen für neue Motive kommen aus den unterschiedlichsten Quellen. Das können Bücher, Filmszenen, landschaftliche Besonderheiten sein. Auch die Figuren abstrahiere ich gern soweit, dass ich die Gesichter häufig „leer“ lasse, damit Körperhaltung, Gestik und Farbstimmung für sich sprechen können. Diese Malweise geschieht u.a. aus dem Wunsch heraus, dass der Betrachter immer auch die eigene Fantasie spielen lassen kann und soll – ich selbst bin bei fremden Illustrationen häufig von den Gesichtern enttäuscht, wenn sie meinen eigenen Vorstellungen unähnlich sind. Weiterhin lasse ich gern Figuren und Umgebung an bestimmten Punkten miteinander verschmelzen – wo beginnt der Mantelsaum, wo endet die Uferzone? Auch dies kann der Betrachter für sich selbst entscheiden.
Schon seit meinem 12. Lebensjahr bin ich von Tolkiens Werken begeistert und stelle hier am liebsten ruhige Szenen dar, die am Rande der großen bekannten Handlung (etwa aus „Der Herr der Ringe“) spielen und eher wenig bekannt sind – einfach, weil derartige Motive noch nicht so abgenutzt bzw. „präsent in den Köpfen“ sind. Umso leichter können solche Motive zum Nachdenken anregen.
Ich würde mir wünschen, dass meine Bilder beim Betrachter diese Wirkung haben.
Link: Johanna Görlitz