Im Bild von links: Dr. Dieter Prinzing (Lesung), Ralph Beims (Gesang) und Martin Bujara (Flügel)

Im Rahmen des Tastentaumel-Festivals 2006 präsentierte die Sickter Kulturinitiative zwei Konzerte im Rittersaal des Herrenhauses Sickte. Nach der poetischen Geschichte vom kleinen Klavierspieler, war das zweite Konzert am 19. März 2006 dem 150. Gedenkjahr von Robert Schumann gewidmet.
Unter dem Titel des Konzertes: „Wandel zwischen Licht und Finsternis“ zeichneten Ralph Beims (Bariton), Martin Bujara (Klavier)und Dr. Dieter Prinzing (Lesung) Lebenslinien von Robert Schumann nach, über den Franz Liszt schrieb: „Musik und Literatur waren Hunderte von Jahren wie durch eine Mauer getrennt, und die auf ihren Seiten Wohnenden schienen sich nur dem Namen nach zu kennen… Schumann war Eingeborener in beiden Ländern und eröffnete den Bewohnern eine Bresche“…
Die Bresche, die Schumann als Mittler zwischen Lyrik und Musik schlug, spiegelte sich in den Liederkreisen wieder, die im Mittelpunkt des Konzertes standen: Opus 39 nach Gedichten von Joseph von Eichendorff, opus 40 nach Gedichten von Hans-Christian Andersen und Dichterliebe und opus 48 nach Gedichten von Heinrich Heine. Gefühlvoll intonierte Bariton Ralph Beims die Lieder, denen so bekannte Gedichte wie: „Mondnacht“, „Im Walde“, „Muttertraum, „Der Spielmann“ oder die „Die alten, bösen Lieder“, zugrunde liegen. Bravourös war hierbei die Umsetzung der Kunstlieder von Ralph Beim, der Noten durch seine Vortragweise zu Gedichtzeilen werden ließ und dem es gelang, durch seinen Gesang die lyrischen Stimmungsbilder auszudrücken. Weich, wehmütig oder kraftvoll intonierte Beims mit seiner Stimme die künstlerische Gradwanderung eines Romantikers zwischen Licht und Finsternis.
Harmonisch fügten sich auch die beiden Klavierstücke von Schumann in das Konzertprogramm ein, die von Martin Bujara am Flügel gespielt wurden. Mit den Stücken: Marsch der Davidsbündler gegen die Philister aus Carneval, opus 9 und aus Kreisleriana opus 16: Nr. I und Nr. VIII brachte Bujara „Klassikohrwürmer“ zum Vortrag und unterstrich auf dynamisch mitreißende Weise, das Motto des Musik-Festivals: „Tastentaumel!“
Nicht unerwähnt bleiben sollte auch, dass kein „Musikfeind“ unter den zahlreichen Gästen auszumachen war, jedenfalls nicht in der Art und Weise wie er in der gleichnamigen Erzählung von E.T.A. Hoffmann beschrieben wird. Ganz im Gegenteil, denn die Konzertbesucher bekundeten ihre Musikbegeisterung immer wieder durch herzlich Beifall. Viel Beifall gab es auch für die Lesungen von Dr. Dieter Prinzing. Durch seine Vortragweise, verlieh er dem Musikfeind ein Gesicht, wobei er die wortreiche und wortgewandte Fülle dieser brillanten Beschreibung aus der Feder von E.T.A. Hoffmann voll und ganz auszuschöpfen verstand. Durch eine hohe und sehr schnelle „Vorlese-Taktzahl“, gepaart mit Schwung und gekonnter Betonung sorgte Prinzing dafür, dass die Zuhörer in glucksendes Lachen verfielen. Trefflich ausgesucht waren auch die beiden anderen Vorträge „Phantasien über die Kunst für die Freunde Kunst von Wilhelm Heinrich Wackenroder (1799) und von Heinrich Heine, aus: „Die romantische Schule, 2. Buch (1833). Die Konzertbesucher waren von dem hervorragend aufeinander abgestimmten Programm aus Lesung, Klaviermusik und Liedvorträgen begeistert und bekundeten dies mit lang anhaltendem Beifall.
Die Winterreise von Franz Schubert

„Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh’ ich wieder aus“ – mit diesen Versen von Wilhelm Müller beginnt die „Winterreise“. Ein Zyklus von 24 Liedern für Singstimme und Klavier, den Franz Schubert im Herbst 1827 ein Jahr vor seinem Tod vollendete. Im Rahmen des Tastentaumel-Festivals 2008 brillierten am 2. März 2008 erneut Martin
Bujara und Ralph Beims im Rittersaal des Herrenhauses Sickte.
In der Winterreise wird die Geschichte eines wandernden Gesellen erzählt, der - um seine Liebe betrogen - die Gesellschaft sucht, aber nirgends heimisch wird. Die Winterreise von Franz Schubert gehört zu den bekanntesten und schönsten Werken der Romantik.
Im Rittersaal des Herrenhauses Sickte fanden Ralph Beims (Bariton) und Martin Bujara (Klavier) nicht nur ein stimmungsvolles Ambiente, sondern auch einen bestens gestimmten Flügel vor, der von der Braunschweiger Pianofortefabrik Grotrain-Steinweg für das Konzert bereitgestellt war. Präsentiert wurde das Konzert von der Sickter Kulturinitiative.
Die interpretatorische Leistung von Ralph Beims und Martin Bujara beeindruckte nachhaltig. Mit seiner warmen und mitfühlenden Stimme sang sich Ralph Beims in die Herzen der Zuhörer. Dabei verstand es der Bariton, dass gesamte Spektrum seiner Stimme zu nutzen. Gekonnt differenzierte er den Gesang und ließ die Zuhörer in ein Wechselbad der Gefühle zwischen Dur und Moll eintauchen. Ralph Beims und Martin Bujara schufen facettenreiche Stimmungsbilder, die von lieblicher Süße, über Resignation bis hin zur Dramatik reichten. Die Klavierbegleitung von Martin Bujara zeichnete sich dabei nicht nur durch einen wunderbaren Anschlag aus, sondern auch durch viele Akzente und präzis nuancierte Betonungen. Die hohe Kunst der leisen Töne wurde von Sänger und Pianist in besonderer Weise geradezu zelebriert. Im Ausklang des Zyklus trifft der Wanderer auf den Leiermann, der frierend seine Leier dreht, aber von niemandem gehört wird. Diese Szenerie spiegelt unendliche Hoffnungslosigkeit. Die Winterreise endet schwermütig in Schicksalstonart a-Moll. Ralph Beims und Martin Bujara setzen mit ihrer Interpretation des 24. Liedes „Der Leiermann“, einen ausdrucksstarken und tief bewegenden Schlusspunkt unter ein gelungenes Konzert. Die vollbrachte Leistung auf hohem musikalischem Niveau wurde mit lang anhaltendem Applaus im voll besetzten Rittersaal belohnt. mr

Martin Bujara wurde 1959 in Salzgitter geboren. Klavierunterricht erhielt er ab 1964 bei Nina Iwascheff -Blochina .Er war zwischen 1966 und 1978 mehrfach 1. Preisträger beim Wettbewerb von Grotrian-Steinweg und „Jugend musiziert“. 1978 begann Martin Bujara seine Studien an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Er absolvierte hier die Diplomprüfung als Instrumentallehrer. Die Konzertreifeprüfung legte Bujara 1983 und das Solistenexamen 1988 in der Klasse von Professor Karl-Heinz Kämmerling ab. Martin Bujara hat als Solist, Liedbegleiter und Kammermusiker in Deutschland, den USA, England, Finnland und Russland konzertiert; Rundfunkaufnahmen entstanden für den finnischen Rundfunk, den NDR und den WDR. 2002 wurde Martin Bujara zum Leiter der Kreismusikschule Wolfenbüttel berufen.
Ralph Beims, geboren 1963, begann mit der Gesangsausbildung in Heidelberg neben dem Studium der Theologie. Ab 1988 widmete er sich unter Anleitung von Hanna Matthies zunächst dem Liedgut deutscher Romantik. Seit 1993 ist er Schüler von Peter Kooy und beschäftigt sich vornehmlich mit geistlicher Musik des 17. und 18. Jahrhunderts.Ralph Beims ist vor allem im norddeutschen Raum als Lied- und Oratoriensänger aufgetreten. Er hat zuletzt bei Konzerten in Bad Gandersheim, Berlin, Braunschweig, Göttingen, Goslar, Salzgitter, Wolfenbüttel und Bad Harzburg als Bassbariton mitgewirkt.