Barockmusik im Rittersaal



Ein Hauch von Arkadien im Sickter Herrenhaus

In die Welt eines barocken Schäferspiels entführte das Programm des "Saltzthalischen Mayen=Schluss 1694“, das am 4. November 2006 im Herrenhaus Sickte zur Aufführung kam. Was hier im authentischen Ambiente des barocken Festsaal erklang, waren selten zu hörende Kostbarkeiten französischer Barockmusik, die sich dem Thema der Pastorale widmeten – eingebettet in die Schilderung einer „Schäferey“, die 1694 anlässlich des 60. Geburtstages von Elisabeth Juliane, der Gemahlin Anton Ulrichs, in Salzdahlum aufgeführt worden war. Unterstützt durch Projektionen von Gemälden des Franzosen Jean Antoine Watteau fühlte man sich schnell in die Welt eines höfischen Divertissements um 1700 versetzt. Im musikalischen Zentrum stand dabei die Musette de Cour, eine französische Sackpfeife, die im Zuge der aufkommenden Schäfermode für die Kunstmusik entwickelt worden war. Begleitet von Viola da Gamba, Cembalo, Laute und Violone war der Dudelsack hier nicht in seiner schottisch-drönenden Variante zu hören, sondern vielmehr von verblüffend ausgewogener und angenehmer Klangschönheit. In der „Sonatille galante“ von Esprit Philip Chedeville beispielsweise stellte der renommierte Wiener Spezialist für historische Rohrblattinstrumente Albin Paulus die klanglichen und technischen Möglichkeiten dieses Instruments auf beeindruckende Weise vor. Albin Paulus wusste zudem das Chalumeaux, einen Vorgänger der Klarinette, trefflich zu blasen. Zu einem der vielen Höhepunkte des Abends wurde die Kantate „La Musette“ von Clerambault für Sopran, Musette und Basso Continuo. Faszinierend das Wechselspiel zwischen den Solisten. Der schlanke und klangschöne Sopran von Mia Mirén Paulus bezauberte nicht nur in der Kantate sondern auch in zwei weiteren Liedern von Francois Couperin. Begeisternd auch die Instrumentalstücke von Marin Marais, in denen die Viola da Gamba den solistischen Part übernahm, darunter das Bravourstück „La fete champetre“ (das ländliche Fest), nuancenreich und mit spielerischer Virtuosität interpretiert von Christine Brelowski. Spielfreude war auch den homogen und aufmerksam begleitenden Continuospielern Simon Paulus, wechselweise an der Laute und am Violone, einem barocken Kontrabass, und Ursula Gozdek am Cembalo anzumerken. Sie ließ zudem mit der „Pastourale“ für Cembalo von Luis Couperin ländliche Idylle aufkommen und entfaltete in einer anschließenden Chaconne an ihrem Instrument dann barocke Klangpracht vom Feinsten. Insgesamt ein Erlebnis der besonderen Art. So lebhaft, packend und spritzig kann ‚alte’ Musik klingen – Das Publikum dankte es mit viel Beifall. (KS)



Hintergrund:
"Saltzthalischer Mayen=Schluß 1694“ – Ein musikalisch-literarisches Schäferspiel nach Texten von Friedrich Christian Bressand (ca. 1670-1699) und mit Musik für die Musette de Cour von Jean Hotteterre, Nicolas Clérambault, E. Phillipe Chédeville u. a.

Im Jahr 1694 erschien unter dem Titel „Saltzthalischer Mayenschluß“ eine Veröffentlichung des jungen Hofliteraten Friedrich Christian Bressand, der darin die Feierlichkeiten anlässlich des 60. Geburtstages der Herzogin Elisabeth Juliane, der Gemahlin Anton Ulrichs, im gerade erst vollendeten Lustschloß zu Salzdahlum schildert. Neben der Beschreibung enthält das Werk auch eine Reihe von kommentarhaften Sinnsprüchen, Huldigungsgedichten und kleinen Divertissements, die Bressand zur Ehre der Jubilarin und des Herzogs verfasste oder bearbeitete. Darunter befindet sich auch ein als Ballet gestaltetet Schäferspiel, das von den Höflingen zu diesem Anlaß aufgeführt wurde. Die Musik hierzu, vermutlich vom damaligen Hofkapellmeister Reinhard Keiser oder von Bressand selbst komponiert, gilt heute als verschollen.

Umso reizvoller ist es, den Texten Bressands französische Musik für die Musette de Cour, einen höfischen Dudelsack, entgegenzustellen. Namhafte Komponisten wie Hotteterre, Boismortier, Rameau oder Clérambault schrieben für dieses Instrument, das Mitte des 17. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der sich in Europa zunehmend verbreitenden Schäfer- und Hirtenmode aus der französischen Sackpfeife entwickelt worden war und sich gemeinsam mit der Vielle de Cour, einer ebenfalls‚kultivierten’ Drehleier großer Beliebtheit in den Kreisen des französischen Adels erfreute.

Wohl erstmals erklingt nun diese reizvolle Musik in ihrer Originalbesetzung in hiesigen Breiten. Ergänzt wird das Originalrepertoire um Instrumentalstücke, die mit ihrem Titel ‚Musette’ oder ‚Pastorale’ auf das Instrument und seine spezifische Bordunmelodik verweisen. Das Programm „Saltzthalischer Mayen=Schluß 1694“ entführt den Zuhörer in die imaginäre Welt eines barocken Divertissements mit Schäferstab-schwingenden Erbprinzen und Chaconne-tanzenden Äbtissinnen - irgendwo zwischen Salzdahlum, Versailles und Arkadien. (SP)



saitenweise Lieb&Leid

Am 30. Septmeber 2007 hatte die Sikki im Rahmen des "Schlössertages 2007" zur einer Soirée mit italienischer Musik des Frühbarock eingeladen. Auf dem Programm standen Lieder und Instrumentalmusik von Claudio Monteverdi, Giulio Caccini, Marco Uccelini, Biagio Marini u.a. Die Ausführenden waren Susanne Busch (Barockvioline),Ursula Gozdek (Truhenorgel), Christine Brelowski (Viola da Gamba), Mia Mirén Paulus (Sopran) und Simon Paulus (Laute, Barockgitarre).



“Si dolce è l tormento…“, „so süß ist die Qual“, die einem Amor bescheren kann: Wen der Pfeil des unbarmherzigen Liebesgottes einmal getroffen hat, der ist den Grausamkeiten und Freuden der Liebe gleichermaßen hilflos ausgeliefert. Schlimm, wenn Amor nur einen von zwei potentiellen Liebenden in Beschuss nimmt, den anderen aber verfehlt oder womöglich gar nicht erst zum Abschuss vorsieht. Dann sind Komplikationen vorprogrammiert. Davon konnten auch die Italiener des frühen 17. Jahrhunderts so manches Lied singen. Versagte dann die Stimme, so griff man zum Instrument und verlieh so seiner Gemütsstimmung Ausdruck. Mit dem vielfältigen klangfarbigen Angebot des barocken Instrumentariums ließen sich diese menschlichen Affekte besonders ausdruckvoll mitteilen. Das Programm „saitenweise Lieb&Leid“ nahm das Publikum mit auf eine musikalische Achterbahnfahrt durch die Höhen und Tiefen frühbarocker Lieb- und Leidenschaften zwischen Rom und Venedig.