Bernhard Selker und Hans-W. Fechtel

„Er blickte stolz auf seine Erde – und sah tuberkeln, Standard Oil und Waffen – da kam aus Deutschland die Beschwerde: „Du hast versäumt uns Führer zu erschaffen“, so ein Teil des Gedichtes: „Das Führerproblem genetisch betrachtet“ von Erich Kästner , verfasst im Jahr 1931.
Dieses und andere Gedichte von Erich Kästner erlebten die Besucher im Sickter Herrenhaus. Rezitator und Vorleser Bernhard Selker sowie der autodidaktische Sänger und Gitarrist Hans-W. Fechtel erfreuten am 7. Oktober 2006 ihre Gäste bei: „Ein Abend mit Erich Kästner Lyrik“.
Sikki, die Sickter Kulturinitiative hatte zu diesem lyrisch musikalischen Abend eingeladen. Bürgermeister Dieter Lorenz begrüßte das „Lyrik-Musik-Duo“ und die zahlreichen Gäste mit einem Kurzgedicht: „Sikki lädt zu vielen Angeboten ein. Heut soll´s besonders Erich Kästner sein. Bernhard Selker und Hans-W. Fechtel erfreuen uns mit ihrem Programm. Nun geht es gleich an.“ Und es ging auch wirklich gleich los. Mit dem Lied: „Vorgesetzte muss es geben...“ Dann führte Selker ins Programm ein: „Unser Programm hat zwei Schwerpunkte. Einmal die Zeit zwischen den Weltkriegen und im 2. Teil nach der Pause, Erich Kästners Bemühen, um Frauen.“ Dabei gab es viele, aber niemals eine endgültige.“ Und Fechtel ergänzte: „Ich habe einige der Kästner Gedichte mit Musik versehen und teilweise in bekannte Melodien umgesetzt.
Dann lebte die Zeiten zwischen den Weltkriegen auf. Sehr kritisch, provozierend und nachdenklich stimmend, beschrieb Erich Kästner seine Erlebnisse. Das Lyrik- und Musikduo verstand es auf hervorragende Weise, Rezitation und Gesang zu verbinden. Es wurde nie langweilig. Das virtuose hervorragende Gitarrenspiel von Fechtel und die gekonnte brillante Vortragsweise von Selker rissen die Zuhörer laufend zu Beifallsstürmen hin. So wurden Kästners Ideen zum Beispiel bei dem Gedicht: „Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag“, wo es u. a. heißt: „Du kämpftest tapfer gegen sie und Staat und Industrie und die gesamte Meute. Bis man an dir, weil nichts verfing, Justizmord kurzerhand beging. Es war genau wie heute.“ Und das Ende des Gedichtes lautet: „Du hattest sie vergeblich lieb. Du starbst umsonst und alles blieb beim Alten.“ Am Ende wollte der Beifall nicht enden. Zwei Zugaben waren der Lohn dafür. Zuletzt sang das Duo: „Vielen Dank ihr lieben Leute...“