
Link: Kabarett der rote Stuhl

Am 15. November 2008 gastierte Thomas Kreimeyer im Rittersaal des Herrenhauses Sickte, dabei stellte der Berliner Kabarettist fest:
"Das Leben ist hart - aber in Sickte härter"
Berliner Kabarettist Thomas Kreimeyer im Dialog mit seinem Publikum im Herrenhaus.
Thomas Kreimeyer ist erleichtert. Derweil man sich in der Hauptstadt noch mit der Weltwirtschaftskrise befasst, die Kanzlerin Weltpolitik macht, ist der Abschwung in Braunschweig schon durch. Schnell wie ein ICE, nur mit kurzem Stopp, rauschte die Krise durch die Braunschweiger Region. Doch wie sieht es in Sickte aus? Thomas Kreimeyer, Berliner Kabarettist, führt den Dialog mit dem Publikum. Er stellt Fragen, auf die er wahrlich verblüffende Antworten erhält. Die Antworten sind der Spielball für sein Kabarettprogramm. Das "Kabarett der rote Stuhl", von Thomas Kreimeyer entwickelt, ist Stehgreifkabarett par excellence. Die Gäste werden zu Mitspielern.
Auf brillante Weise findet der Kabarettist Zugang zum Publikum. Dieses öffnet sich bereitwillig, macht mit und lacht Tränen. Der gebürtige Hannoveraner stellt niemanden bloß. Im Gegenteil: Themen, die auf der Seele zu brennen scheinen, werden im Gespräch messerschaf analysiert. Er versteht sein Handwerk und bringt die Sachlage auf den Punkt. Das Publikum profitiert davon, ist sichtlich beglückt von neuen Erkenntnissen und Sichtweisen. Die Samtgemeinde Sickte wird zum Thema - die Struktur, die Gemeinden, die Ortsteile. Wer "regiert" wo? Hoch interessant für den Wahlberliner, die Sache mit den Bürgermeistern. Insgesamt sechs an der Zahl, da kann man schon den Überblick verlieren. Der Spielball trudelt in Nieder- und Obersickte ein. "Wir gehören nun zusammen", kommt als Antwort. Kreimeyer lobt dieses Zusammengehörigkeitsgefühl: "Wunderbar!"
Und die so genannten "Bergdörfer"? Gibt es da doch eine Kluft? Eine Gilzumerin trägt zur Aufklärung bei. Auch der Bürgermeister aus Dettum steht Rede und Antwort. Kreimeyer ist zufrieden, appelliert, die Wirtschaft in der Region weiter zu stärken. "Hier werden Synergieeffekte frei gesetzt". Allein was aus Apelnstedt auf die Republik zurollen wird. Immerhin gibt es hier schon zwei aktive Mitglieder der Seniorenpartei. Die Apelnstedter Rentnerin, die gesteht, sich nicht an den Namen ihrer Partei erinnern zu können, macht auf jeden Fall weiter mit. Wisse sie doch zwei Millionen mobil machende Rentnerinnen hinter sich.
90 hoch amüsante Minuten vergehen wie im Fluge. Kreimeyer geht in die erklatschte Verlängerung, legt dreimal nach. Fazit nach erörterter Welt- und Kommunalpolitik: "Das Leben ist hart - aber in Sickte noch härter". Kreimeyer gastierte zum zweiten Mal auf Einladung der Sickter Kulturinitiative in Sickte. mr

Veranstaltungsrückblick (2007):
Er ist der einzige seiner Zunft, der mit einem perfekt ausgeleuchtetem Bühnenbild arbeitet und seine Auftrittszeit mittels Kurzzeitwecker genau einstellt: „2 x 45 Minuten!“
Thomas Kreimeyer, Kabarettist aus Berlin, stellt den Wecker für die erste Hälfte, legt unvermittelt los und verpflichtet sogleich eine Dame als Beleuchterin. Ihr obliegt nun die verantwortungsvolle Aufgabe, sein minimalistisches Requisit, einen roten Stuhl, auszuleuchten. Auf einem mit changierender Seide umhüllten Podest, präsentiert sich das „Kabarett der rote Stuhl“, das auf Einladung der Sickter Kulturinitiative im Rittersaal des Herrenhauses gastierte.
Ein Kabarettist umgeben von der Aura pulsierenden Hauptstadtlebens, macht Bekanntschaft mit der Provinz. Thomas Kreimeyer nähert sich der neuen Thematik: "Leben auf dem Lande"... Fragen bewegen ihn, die ihn bislang noch nie bewegten ... Unverblümt fragt er seine Gäste aus, mimt dabei den charmant Naiven - weckt so Vertrauen. Dialoge entstehen - ehrliche Dialoge, wahrlich herzlich - frisch und frei weg von der Leber - beiderseits. Keine Fallstricke und Finten, kein auf den Leim gehen, dafür aber Finesse, Intelligenz und Spielfreude. Fast unbemerkt werden die Gäste zum Teil des Kabarettprogramms.
Thomas Kreimeyer steht für neue Form des Kabaretts, das sich mit „Kommunikations-Kabarett“ am besten beschreiben lässt. Spontane Antworten, werden von Kreimeyer blitzschnell aufgegriffen, verarbeitet und neu präsentiert. Auf diese Weise schenkt er seinem Publikum völlig neue Sichtweisen, augenzwinkernd und urkomisch... Wortspielereien und Situationskomik sind die schillernden Fäden, aus denen er seinen kabarettistischen Spielteppich webt.
Das „Kabarett der rote Stuhl“ hat Thomas Kreimeyer Ende der neunziger Jahre entwickelt. Neben anderen Spielstätten ist er auch regelmäßig im „Scheinbar“ in Berlin anzutreffen, wo ihn die „Sickter Traber“ bei einem Berlinausflug entdeckten und der Sikki ans Herz legten...
Sickte und seine Bürger/innen an sich, avancierte zum Top-Thema eines etwas anderen Kabarettabends, an dem die Befragten mit fadenscheinigen Antworten ziemlich oft beteuerten: „Ich bin wirklich nur zugezogen!“ Das stimmt nachdenklich, ebenso wie die Frage, was sich eigentlich hinter einer passiven Parteimitgliedschaft verbirgt. Erklärungsnot...
Als der Wecker nach weiteren 45 Minuten das Ende der Spielzeit einläutete, musste niemand geweckt werden - weder die zahlreichen "zugezogenen!" Sickter, noch die passive Parteimitglieder der Grünen. Alle Gäste waren putzmunter und vergnügt, ob der mitreißenden Spielkunst von Kreimeyer. Das begeisterte Publikum entließ Thomas Kreimeyer erst nach zwei Zugaben. mr