Heinrich F. Biller



Im Rahmen von verschiedenen Veranstaltungen (Lesemarathon, Nikolauskonzert) war Heinrich F. Biller im Hötzumer Bücherhof und bei der Sikki zu Gast. Hierbei stellte er u. a. die Bücher "Max und Moritz" auf bayrisch und "Die Spielzeugkiste" von Hans Heitkamp vor. Besonders erwähneswert ist, dass die bayrische Version von Max und Moritz von Heinrich F. Biller "übersetzt" und im eigenen Verlag herausgegeben wurde. Die Lausbubengeschichte in bayrischer Mundart vorgetragen, kamen bei seinen "norddeutschen" Zuhörern besten an.

Ein besonders schönes Buch für Kinder und Erwachsene glichermaßen ist die "Die Spielzeugkiste" von Hans Heitkamp. Das Buch stellte der Verleger im Rahmen des Nikolauskonzertes 2007 vor.



Verlag : Heinrich F. Biller
1.Auflage, WF 2007
Bindung : Hötzumer Bücherhof

Rezension von Dr. Michael Dahlke

Ein Vorlesebuch für Kinder und Erwachsene, so würde ein Untertitel lauten können, denn, das Buch ist für Erwachsene ebenso geeignet, wie für Kinder. Es besticht durch seine kindgerechten Zeichnungen und seine Geschichten, die sowohl die Phantasie von Kindern, aber auch von Erwachsenen, die sich gerne an ihre Kindheit erinnern, beflügeln.

Ein Vater von zwei Kindern, Hansjörg und Ursula, muss notgedrungen im Bett seines Sohnes schlafen, weil eine Tante sich zu Besuch angesagt hat. Also zieht er für ein paar Nächte in das Zimmer seines kleinen Sohnes, und erlebt Nacht für Nacht mit, wie die in der Spielzeugkiste versammelten Dinge lebendig werden und kleine Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Der Vater wird zum Zuschauer dieser ungeheuerlichen Vorgänge und durchlebt noch einmal seine eigene Kindheit, seine Kinderträume und die vielen Schicksale seines Lebens durch die Augen der in der Kiste liegenden Spielzeuge. Jede Nacht erzählt nun ein Spielzeug seine Geschichte. Und mit dem Beginn der Geschichte der Spielzeugkiste wird ein bunter Reigen von Geschichten eröffnet, der viele Städte wie Hamburg und New York lebendig werden lässt. Der Leser erfährt etwas über die Entstehung der einzelnen Spielzeuge, und, was wichtig ist, der Leser wird mitgenommen auf eine Reise durch das gelebte Leben dieses Vaters. Seine eigene Kinderzeit wird lebendig und manche Träume hängen sich auf an den Geschichten erzählenden Spielsachen.

Jedes Spielzeug muss eine Nummer ziehen, der Teddybär wird Präsident und dann wird immer schön der Reihe nach aus dem Leben erzählt, jede Nacht eine andere Spielzeuggeschichte. Und wie im richtigen Leben, gibt es auch zwischen den Spielzeugen Ärger, Streit und Sorgen, geht es um Missgunst, Neid und Angst. Aber auch Freude bereiten, Lachen über das Glück, dass man als Spielzeug geliebt wird, und die Freude, die ein Spielzeug den Kindern bereiten kann.

Und ob es der Ball ist, der von Hansjörg auch als Fußball missbraucht wird, oder der Teddybär, der in einer Fabrik entstanden, aber als Fabelwesen schon viel älter ist, und weite Reisen mit Ursula und Hansjörg in den Harz gemacht hat; sie alle haben viel aus ihrem Leben zu erzählen.

Es sind die „ Reisen „ des Vaters ob nach Paris. London oder Konstantinopel mit der Holzeisenbahn. Oder die Geschichte der Puppe, die Ursula über eine Lungenentzündung hinweghalf, nur dass sie da war. Und alle Spielzeuge haben gemeinsam, dass sie sich nach einem erfolgreichen Miteinander innerhalb der Familie jetzt an den Rand gedrängt fühlen, nicht mehr beachtet werden von den Kindern. Die Trompete, der Puppenherd, das Sandsieb, sie alle liegen nun nutzlos in der Spielzeugkiste und teilen ihr Leid mit dem Holzpferd, dass aus Genua stammend eine lange Reise über Verona nach Deutschland machen durfte, um als Geschenk der Großeltern an Hansjörg hier in der Kiste zu landen.

Erinnerungen an Hamburg werden bei dem Vater und den Geschichten der Spielzeuge wach. Der Hamburger Dom, auf dem die gebastelten Windmühlen verkauft wurden oder die Reise nach Helgoland durch die Augen des Stehaufmännchens. Am Abschlussball wird es noch einmal richtig lebendig im Zimmer seines Sohnes Hansjörg, weil Walzer, Schuhplattler, Marsch, Polka, Polonaise, Englischer Walzer, Wiener Walzer für die unterschiedlichen Paarungen angesagt sind, dagegen sind Tango und Swing kein Thema des letzten Abends.

Seine eigene Jugend durch die Augen der Spielzeuge zu erleben macht den Reiz dieses Buches aus. Eine Traumreise des Vaters wird zur Traumreise auch für Erwachsene, die dieses Buch für ihre Enkel als Vorlesebuch nutzen können, um eine vergangene Zeit wieder lebendig werden zu lassen.


Link: Verlag Heinrich F. Biller