Goldberg-Trio

Goldberg-Variationen von J. S. Bach im Rittersaal



Am 12. April 2008 konzertierten Jutta Gevecke (Violoncello), Leo Weiß (Viola)und Katja Beiße (Violine) im Rittersaal des Herrenhauses Sickte. Auf dem Programm standen die Golberg-Variationen von Johann Sebastian Bach G-Dur (BWV 988)in der Transkription für Streichtrio von Dmitry Sitkovetsky. Das Goldbergtrio spielte in auf hohem Niveau und in technischer Perfektion. Die einfühlsame Interpretation sorgte bei den begeisterten Zuhörern für einen unvergessliches Konzerterlebnis.

Programm:
Aria
Variatio 1 Var. 2 Var. 3 Canone all´Unisuono.
Var. 4 4-stimmig Var. 5 Var. 6 Canone alla Seconda.
Var. 7 Al tempo di Giga Var. 8 Var. 9 Canone alla Terza.
Var. 10 Fugetta Var. 11 Var. 12 Canone alla Quarta. 4-stimmig In der Umkehrung
Var. 13 Var. 14 (B-A-C-H) Var. 15 Canone alla Quinta. Andante. 14 =. 2+1+3+8 (moll) In der Umkehrung
Var. 16 Ouverture Var. 17 Var. 18 Canone allaQuinta.
Var. 19 Var. 20 Var. 21 Canone alla Settima. (moll)
Var. 22 4-stimmig Var. 23 Var. 24 Canone all´Ottava.
Var. 25 Adagio (moll) Var. 26 Var. 27 Canone alla Nona. 27=3x9(None)= 33
Var. 28 Var. 29 Var. 30 Quodlibet. 4-stimmig
Aria

Mit der „Aria mit verschiedenen Veränderungen“ schuf J. S. Bach im Auftrag des Reichsgrafen von Keyserlingk (1696 - 1764) ein Werk, das „sanften und zugleich etwas munteren Charakters“ sein sollte. In schlaflosen Nächten spielte der junge und begabte Bachschüler Johann Gottlieb Goldberg (1727 - 1756) dem Reichsgrafen Stücke daraus vor. J.S.Bach befand sich um 1740 an einem Wendepunkt seines Schaffens. In diese Zeit fällt die Entstehung der „Goldberg-Variationen“, die 1742 gedruckt wurden und damit am Beginn von Bachs Spätwerk stehen, zu dem u.a. das „Musikalische Opfer“ und „Die Kunst der Fuge“ gehören. Im Untertitel des Werkes wird der Auftrag des Reichsgrafen noch einmal verdeutlicht: „Denen Liebhabern zur Gemüthsergetzung“. Bach wählt zur Umsetzung dieser Aufgabe die Variationsform. Unter seiner Hand entfalten die ´veränderten Wiederholungen des Gleichen´ eine therapeutische Wirkung. Keine Bewegung setzt sich fest oder wird zur leblosen Figur.

Zur formalen Anlage des Werkes
Das Thema für die Variationen bildet die Aria. Im ¾-Takt in G-Dur entsteht über einem Bass in 32 Takten die gesangliche Melodie, die mit der Betonung auf der 2. Zählzeit und ihrer Zweitaktigkeit die Eigenart der Sarabande übernommen hat. Zwischen Bass, Melodie und Mittelstimmen entsteht ein ungebundenes und doch organisches Wechselspiel, kurzfristig leicht sich ballend um kurz darauf wieder zur Entspannung zu kommen. Im Ebenmass von 4x4 bzw. 2x8 Takten pro Hälfte findet das Gleichmass dieser Aria seinen formalen Ausdruck. J.S.Bach nutzt die Vorzüge der unterschiedlichen Variationsarten seiner Zeit und wählt letztendlich eine Mischform. Von der Ostinato-Variation übernimmt er das Prinzip des Bass-Themas, das in der Aria bereits vorgestellt wird und durch alle 30 Variationen hindurch tönt. Es wechseln Charakter-Variationen (auch Kompositionsstudien genannt) mit Virtuosen Variationen und Kanonischen Variationen. Insgesamt bilden sich 10 Gruppen zu je 3 Variationen die von der Aria eingerahmt werden und damit dieselbe Anzahl bilden wie die Töne des Bass- Themas. Bei den Charakter-Variationen differieren die Tempi vom Adagio (Var.25) bis zum raschen Gigue-tempo (Var.7). Stark differenzierte Notenwerte und eine veränderliche Stimmenzahl zeichnen die Charakter-Variationen aus, die stark melodisch geprägt sind und eine gestalterische Klarheit erfordern. Die Virtuosen Variationen stehen fast durchweg im 3/4 Takt und werden in einem munteren Tempo gespielt. Schnelle Notenwerte herrschen vor. Diese zweistimmigen Variationen haben keine eigentliche Melodie, sondern setzen sich aus Skalen, Trillern, Sprüngen und Akkordbrechungen zusammen. In den Kanonischen Variationen durchschreitet Bach von der Prim bis zur None alle neun Intervalle über den Oktavraum hinaus. Das Quodlibet (Var.30) bildet einen kraftvollen Abschluss. Diese Variationen sind fast immer dreistimmig, wobei die beiden Oberstimmen kanonisch laufen während der Bass sich frei bewegt. Bei relativ ruhigem Tempo wählt Bach in fast jedem Kanon eine andere Taktart. J.S.Bach hat die “Goldberg-Variationen“ für Cembalo mit 2 Manualen geschrieben. In seiner Transkription für Streichtrio trägt der Geiger Dmitry Sitkovetsky der gleichberechtigten Aufteilung der 3 Instrumente Rechnung und setzt sie wie verschiedene Register eines Instrumentes ein.



Katja Beiße (rechts)- Violine
Geboren 1971 in Braunschweig
Schon früh Mitwirkung in Kammerorchestern und Kammermusikensembles als Konzertmeisterin und Solistin
1987 Jungstudentin in Hannover bei Prof. Jens Ellermann
1991 Beginn des Violinstudiums bei Prof. Ilan Gronich an der HdK Berlin
1994 Wechsel zur Hans-Eisler-Hochschule Berlin zu Prof. Michael Vogler (Violine)
Gründung des Françaix - Klaviertrios; Konzerte und Teilnahme mit dem Trio an Meisterkursen (Alban-Berg Quartett, Prof. Feltz, u.a.)
1999 Mutterpause, heute Mutter von zwei Söhnen mit 3 und 5 Jahren
Seit 2000 Geigenlehrerin an der Freien Waldorfschule Braunschweig
Mitwirkung in verschiedenen Konzertprojekten als Geigerin und Barockgeigerin

Leo Weiß - Viola
Geboren 1967 in Berlin
1989-94 Violinstudium Studium an der Hochschule der Künste Berlin bei Irene Wilhelmi, Mi-Kyung Lee, Prof. Jan Tomeś
Zahlreiche Kammermusik- und Orchesterprojekte als Geiger und Barockgeiger
Seit 1992 als Geiger in verschiedenen Tango-Ensembles (mehrere CD-Aufnahmen)
Konzerte in vielen europäischen Ländern und Südamerika
1997-98 Studien- und Arbeitsaufenthalt in Buenos Aires, Argentinien
Seit 1992 Instrumentallehrer und Orchesterleiter an verschiedenen Musikschulen, seit 2000 an der Musikschule Hildesheim und der Freien Waldorfschule in Braunschweig
Seit 1998 Viola im Selbststudium, Entwicklung zum genreübergreifenden Multiinstrumentalisten

Jutta Gevecke (links) - Violoncello

Geboren 1957, aufgewachsen in Solingen
Kontinuierliche Ausbildung der Stimme und regelmäßige Mitwirkung in Chören und Ensembles
1979 Beginn des Musikstudiums in Düsseldorf, Hauptfach Violoncello bei Prof. Rudolf Mandalka
Seit 1982 als Cellolehrerin an verschiedenen Musik- und Waldorfschulen tätig, seit 2002 an der Freien Waldorfschule Braunschweig
5-jährige Musiktherapieausbildung in Berlin mit Abschluß 1995
Musiktherapeutische Arbeit, überwiegend mit Kindern und Jugendlichen
Mitglied im Wolfsburger Kammerorchester; Künstlerischer Schwerpunkt Kammermusik