Bibelausstellung 2007

Haus- und Familienbibeln



Im Rahmen der Bibelausstellung 2007 wurden Haus- und Familienbibeln, Gesangs- und Gebetsbücher im Hötzumer Bücherhof ausgestellt. Buchbindermeister Sven Olbrich hatte hierzu einen Aufruf gestartet und darum gebeten, Ausstellungsstücke zur Verfügung zu stellen. Die Resonaz darauf war so groß, dass der Platz im Bücherhof nicht ausreichte um alle Stücke zeigen zu können. Dank der vielen Leihgaben konnte ein breites Spektrum von Bibeln, Gesangs- und Gebetsbüchern aus verschiedenen Epochen ausgestellt werden. Diese reichten von barocken Bibeln mit Holzdeckel- und Pergamenteinbänden, Schweinsledereinbänden über alle Stilrichtungen des 19. Jahrhunderts bis hin zu ersten Industriebänden im Historismusstiel über Jugendstil zur modernen Künstlerbibel. Zu allen gezeigten Stücken konnten die Eigentümer interessante Familiengeschichten erzählen. Teilweise waren Familienchroniken anhand der von Generation zu Generation weiter gereichten Bibeln über Jahrhunderte dokumentiert.



Ein himmlischer Liebeskuss für Generationen

Am weitesten auf die Familiengeschichte zurückblicken konnte Familie Rust aus Sickte. Joachim Rust, derzeitiger Bewahrer, stellte seine Familienbibel aus dem Jahr 1731 aus. Die Bibel trägt den Titel: “Himmlischer Liebes-Kuß oder Übung des wahren Christentums, fließend aus der Erfahrung Göttlicher Liebe“ von D. Henrico Müllern, Pastor der Gemeinde zu St. Marien Rostock, gedruckt in Berlin bei Johann Andreas Rüdigern priviligierter Buchhändler von 1726. Die Bibel wurde im Jahr 1851 als Mitgift in die Familie Rust eingebracht. Anlass war die Hochzeit von Henriette Rust, geb. Brüß und Johann Rust am 4. Mai 1851 zu St. Ulrici in Braunschweig. Die Mutter der Braut, Ehefrau des Dekan Wilhelm Brüß, schenkte dem Paar die Bibel und versah diese mit ihrem handschriftlichen Vermächtnis: „Ich bitte somit, dieses Buch nicht zu verkaufen, weil ich wünsche, dass es unter meinen Kindern bleibt. – Frau Brüß.“ Die Bibel blieb in der Familie, jede Generation bewahrte dieses Vermächtnis. Seit über fünf Generationen wird die Bibel jeweils an den Sohn mit Nachfolgesohn vererbt. Hierzu berichtet Joachim Rust, dass die Bibel auch durch viele Kriegwirren bewahrt werden konnte. Auch die nächste Generation ist bereits da, die die Familientradition weiter bewahre wird. Joachim Rust wird die Bibel an seinen Sohn Jörg weitergeben und der wiederum an seinen Sohn Adrian. Anlässlich der Taufe von Enkelsohn Adrian im Jahr 2004 las der stolze Großvater einen Text aus der Familienbibel vor. Somit wurden auch dem jüngsten Erben das Vermächtnis der Familie und die Worte aus der heiligen Schrift mit auf den Lebensweg gegeben.



Ein besonders schönes Exponat war auch eine gut erhaltene „Kurfürstenbibel“ aus dem 18. Jahrhundert.



Den Fachvortrag zur Bibelausstellung 2007 hielt Dr. Maria von Katte. In ihrem Referat ging es um eine Sammlung von Luther-Schriften aus dem Jahr 1520. Diese Sammlung ist im Besitz der Herzog-August Bibliothek Wolfenbüttel. Ursprünglicher Besitzer dieser Schriften war der Salzburger Mönch Rupert Freischlag. Er hinterließ aufschlussreiche Lesespuren und Anmerkungen, die erforscht wurden. Anhand dieser Schriften reflektierte Dr. Maria von Katte das Leben jenes Rupert Freischlag und damit verbunden die historischen Ereignisse, in der Reformationszeit. mr