Bibelausstellung 2006



„Von Gutenberg und Luther“
Bibelausstellung 2006 im Hötzumer Bücherhof


Im November 2006 fand die erste Bibelausstellung im Hötzumer Bücherhof statt. Ausgestellt wurden Lutherbibeln aus dem Archiv Vegelahn sowie handcolorierte Seiten der Gutenberg Bibel von Gisa Maschmann. Die prachtvollen Faksimile-Arbeiten von Gisa Maschmann finden seit Jahrzehnten Anerkennung und Bewunderung in der ganzen Welt. Ihre Arbeiten gestaltet die Künstlerin in minutiöser Manier – zum Teil mit 24karätigem Blattgold. Ihre Arbeiten vertraten bereits die kostbaren Originale des Gutenbergs Museum u. a. auf Ausstellungen in Tokio und im Deutschen Pavillon der Weltausstellung in Montreal.



Die gezeigten Bibeln sowie die Faksimiles der Gutenberg Bibel spiegelten die geschichtliche Darstellung der Deutschen Bibeln vom Mittelalter bis zur Moderne.
Zur Bibelausstellung gab es ein informatives Rahmenprogramm mit Lesungen und Gesprächen. Sowohl die Bibel-Ausstellung, als auch das Rahmenprogramm stießen auf großes Interesse.



Bei der Ausstellungseröffnung war auch Karlo Vegelahn (links) anwesend, der über ein großes Bibelarchiv verfügt und seit vielen Jahren Bibeln jeglicher Art sammelt. Sven Olbrich, dankte bei der Ausstellungseröffnung dem Vegelahn-Archiv und ging auf die Thematik der Ausstellung ein: „Obwohl sich Gutenberg und Luther nicht begegnen konnten (Gutenberg starb 1468, Martin Luther wurde erst im Jahr 1483 geboren), wäre die Verbreitung der Bibel ohne diese beiden historischen Persönlichkeiten nicht denkbar gewesen."

Link: Bibelarchiv Vegelahn

Vortrag zur Ausstellung:
Einfluss der Lutherbibel auf die Entwicklung der deutschen Sprache

Einen Vortrag zur Bibelausstellung, über den Einfluss der Lutherbibel auf die Entwicklung der deutschen Sprache, hielten Dr. Dieter Prinzing und Pfarrer Martin Feuge, der Bibelstellen im Originaltext vorlas.

Hierbei ging es darum, die sprachliche Entwicklung aufzuzeigen und zugleich die sprachliche Gewalt und Schönheit der Luther-Texte zu verdeutlichen. Ausgewählt war der bekannte Psalm 23, die Weihnachtsgeschichte (Lukas 2), der Beginn des Johannesevangeliums. Auf den Luther-Text, gelesen von Pastor Martin Feuge, folgten in unterschiedlicher Kombination: revidierte Luther-Texte des 19. und 20. Jahrhunderts, katholische Ausgaben (AT und NT, Herder, Freiburg i. B., 1915, 1916, 1919) die Zürcher Bibel (Verlag der Zwingli-Bibel, Zürich 1942), die deutsche Übersetzung einer englischen Ausgabe (Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift, revidiert 1986), Die Bibel in heutigem Deutsch, Stuttgart 1983 (katholisch-evangelisches Gemeinschaftswerk), die „Gute Nachricht“ AT und NT sowie die vor kurzem auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellte „Bibel in gerechter Sprache“, Gütersloh 2006.

Dr. Prinzing zeigte anhand von Textpasssagen auf, warum die neueste Bibel-Ausgabe so umstritten ist: Beförderung des christlich-jüdischen Dialogs (Adonaj statt Herr), Berücksichtigung der Anwesenheit von Frauen in der Welt der Bibel (Jünger und Jüngerinnen etc.), Befreiung Gottes aus der Festlegung auf eine männliche Figur (Sie, die Lebendige etc.), dabei verdeutlichte er anhand von älteren Bibel-Ausgaben, dass auch die reformierte sowie die katholischen Bibel-Ausgaben nicht ohne den Luther-Text zu denken sind. Mit einer Anekdote aus dem Streit um die Textkritik im 20.Jahrhundert machte er anschaulich, dass der Streit um genaue Übersetzungen oder ein „politisch korrektes“ Vokabular nicht neu ist. Folglich wird auch bei der Aufregung über die neueste Übersetzung Gelassenheit empfohlen. mr


Hintergrund:

Die Gutenberg-Bibel (wegen der 42 Zeilen auch „B42“ oder „B-42“ genannt) entstand zwischen 1452 und 1454 in Mainz. Sie wurde von Johannes Gutenberg gedruckt. Die Auflage bestand aus etwa 180 Exemplaren der in lateinischer Sprache verfassten Bibel, genauer gesagt der Vulgata. Die Bibel war in zwei Bände aufgeteilt mit insgesamt 1282 Seiten.Die meisten Exemplare wurden auf robustem Hanfpapier gedruckt. Etwa 30 Stück wurden auf Tierhäuten (Pergament) gedruckt. Allein für diese Pergament-Ausgabe wurde das Fell von etwa 8000 Kälber benötigt. Beim Druck wurden 290 der zuvor von Gutenberg erfundenen beweglichen, wiederverwendbaren Lettern der Schriftart Textura / Schwabacher benutzt. Die farbigen Zeichnungen und Initialen wurden danach von Hand eingefügt. Mit Hilfe zahlreicher Doppelbuchstaben (Ligaturen), Abkürzungen und Sonderzeichen erreichte er eine gleichmäßige Zeilenlänge, den sogenannten Blocksatz. Von dieser Auflage der Gutenberg-Bibel sind heute weltweit noch 48 bekannt. Zwei davon kann man im Tresorraum des Gutenberg-Museums in Mainz besichtigen. 1987 wurde zuletzt eines dieser Bücher verkauft: der Kaufpreis von 9,75 Millionen DM (rund 5 Mio. Euro) ist der höchste, der je für ein Druckwerk bezahlt wurde.

Die Lutherbibel ist eine Übersetzung des Alten und Neuen Testaments der Bibel aus der althebräischen bzw. der altgriechischen Sprache in die deutsche Sprache durch Martin Luther. Die Übersetzung des Neuen Testamentes unternahm Luther zunächst selbständig; beim Alten Testament ließ er sich von verschiedenen Fachleuten beraten, u. a. von Caspar Aquila. Besonders im Neuen Testament ist der Einfluss der Vulgata stark zu spüren. Luther gab in seinem Sendbrief vom Dolmetschen Rechenschaft über seine Übersetzungsgrundsätze; er wollte einerseits eine (für damalige Leser) flüssige Übersetzung; andererseits sollte überall dort, wo der biblische Wortlaut einen tieferen Sinn zu bieten schien, auch wortwörtlich übersetzt werden.
Luther selbst überarbeitete bis zu seinem Tod immer wieder den Text und die Vorworte zu einzelnen Büchern. Nach seinem Tod war die Textgestalt der Lutherbibel weitgehend dem Belieben der Drucker überlassen; das betrifft vor allem, aber nicht nur, die Rechtschreibung. Erst Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr der Text eine notwendige Vereinheitlichung.

(Quelle: Wikipedia)